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Hilfen zur Sicherung der Kommunikation gehörloser Menschen am Arbeitsplatz


Arbeitgeberorganisierte oder selbstorganisierte Arbeitsassistenz?

Bei regelmäßigem Unterstützungsbedarf abhängig beschäftigter Schwerbehinderter am Arbeitsplatz gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten zur Organisation der Assistenz: entweder durch den Arbeitgeber oder durch den schwerbehinderten Arbeitnehmer selbst.
Für Selbstständige kommen nur die Leistungen im Rahmen der selbstorganisierten Arbeitsassistenz in Frage.

Welche Form für gehörlose Arbeitnehmer in der jeweiligen Situation geeigneter ist, hängt von vielen Faktoren ab, die im Gespräch mit dem Arbeitgeber und dem zuständigen Kostenträger geklärt werden müssen. Zu klären ist z.B., wie hoch der Unterstützungsbedarf ist und in welchen Abständen er anfällt. Auch muss geprüft werden, ob Kollegen die erforderliche Unterstützung leisten können oder ob der Einsatz von Gebärdensprachdolmetschern erforderlich ist.

Sind die formalen Voraussetzungen für Arbeitsassistenz erfüllt, stellt sich für Gehörlose die Frage, ob sie das Budget selbst verwalten möchten. Auf der einen Seite bedeutet dies einen größeren Entscheidungsspielraum und den Überblick über die Finanzen. Auf der anderen Seite bringt es einen höheren Zeit- und Organisationsaufwand sowie die Verantwortung für die Abrechnung der Gelder mit sich. In diesem Zusammenhang können sich z.B. folgende Fragestellungen ergeben: Was passiert, wenn ein Termin kurzfristig abgesagt wird und der Dolmetscher ein Ausfallhonorar beansprucht? Das bewilligte Geld ist ausgegeben, der Termin muss aber nachgeholt werden – wie kann dies im Rahmen des festgelegten Budgets finanziert werden? Es kann auch passieren, dass Rechnungen kommen, bevor das bewilligte Budget dem eigenen Konto gutgeschrieben wurde und man dann in Vorlage treten muss.

Verwaltet dagegen der Arbeitgeber das Budget, trägt er die Verantwortung für die Organisation und die Verwendung der Mittel. Er bestimmt dann aber formal auch über den Einsatz der Assistenzkräfte.

Unabhängig davon, ob der Arbeitgeber oder der gehörlose Arbeitnehmer die Organisation der Arbeitsassistenz übernimmt, ist in der Praxis immer eine enge Abstimmung zwischen beiden Seiten sinnvoll und notwendig. Nur wenn man sich gemeinsam über die Modalitäten der Arbeitsassistenz einigt, kann sichergestellt werden, dass sowohl die Bedürfnisse des gehörlosen Mitarbeiters als auch die Erfordernisse des betrieblichen Ablaufs berücksichtigt werden.

Bei der Entscheidung zwischen den Organisationsformen "Leistung an den Arbeitgeber" oder "selbstorganisierte Arbeitsassistenz" könnte die Tatsache von Bedeutung sein, dass auf letztere ein Rechtsanspruch besteht. Andererseits gelten die eng gefassten Voraussetzungen für eine Arbeitsassistenz nicht unbedingt für die anderen Leistungen nach dem Schwerbehindertenrecht. So kann der Arbeitgeber z.B. auch finanziellen Ausgleich für personale Unterstützung beantragen, die der Arbeitsassistenz ähnelt, im Arbeitsalltag aber etwas anders verläuft. Dies betrifft auch die Höhe der Leistungen: Während es für den Einsatz von Arbeitsassistenz im Regelfall eine klare Obergrenze gibt, kann die Finanzierung bei arbeitgeberorganisierten Leistungen unter Umständen flexibler am jeweiligen Bedarf orientiert werden.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es keine allgemeingültige Antwort auf die Frage gibt, welche Form die "geeignete" ist. In Absprache mit allen beteiligten Personen müssen individuelle Lösungen entwickelt werden, die auf den Kommunikationsbedarf am jeweiligen Arbeitsplatz abgestimmt sind.

Leistungen für eine regelmäßige Arbeitsassistenz können im übrigen auch mit anderen Leistungen der begleitenden Hilfe gekoppelt werden. So kann z.B. die Finanzierung des Gebärdensprachdolmetschereinsatzes für eine einmalige Fortbildungsveranstaltung zusätzlich zu laufenden Assistenzleistungen beantragt werden.


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