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Hilfen zur Sicherung der Kommunikation gehörloser Menschen am Arbeitsplatz


Organisationsmodelle

Für die selbstorganisierte Arbeitsassistenz gibt es zwei Varianten. Wie hoch der eigene Organisationsaufwand ist, hängt davon ab, welches Modell man wählt.
Entweder stellt ein gehörloser Assistenznutzer seine Assistenzkraft selbst ein bzw. beauftragt diese (Arbeitgebermodell) oder er schaltet einen Dienstleister dazwischen, der die Assistenzkraft vermittelt (Dienstleistungsmodell).
In beiden Fällen ist der Assistenznutzer gegenüber dem zuständigen Leistungsträger rechenschaftspflichtig. Er muss regelmäßig belegen, wie er die Geldleistung verwendet hat.

Beim Arbeitgebermodell verwendet der Assistenznutzer das bewilligte Budget, indem er seine Assistenzkraft fest anstellt oder auf Honorarbasis beauftragt. Der schwerbehinderte Arbeitnehmer ist also selbst Arbeitgeber bzw. Auftraggeber seiner Assistenz. Er ist dann in allen Fragen der Organisation zuständig und hat die volle Weisungsbefugnis gegenüber seinem Assistenten.

Soll eine Assistenzkraft fest angestellt werden, muss jeweils ein Arbeitsvertrag aufgesetzt werden, das Gehalt festgelegt, Kranken- und Unfallversicherung sichergestellt sowie Lohnsteuer abgeführt werden. Man unterscheidet hier zwischen einem normalen sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis und dem so genannten Mini-Job ("400 €-Job").
Bei einem sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis muss der Arbeitgeber neben dem Gehalt auch Sozialversicherungsbeiträge und Steuern zahlen, beim Mini-Job gilt ein vereinfachtes Verfahren mit pauschaler Versteuerung.

Beim Einsatz von Gebärdensprachdolmetschern spielen die Anstellung und damit auch die Arbeitgeberpflichten i.d.R. nicht so eine große Rolle, da viele Gebärdensprachdolmetscher freiberuflich tätig sind und auf Honorarbasis beauftragt werden können. In diesem Fall ist der Dolmetscher selbst dafür verantwortlich, seine Honorare zu versteuern und für seine Kranken- und Rentenversicherung zu sorgen.

Bei der Beauftragung von Honorarkräfte ist jedoch darauf zu achten, dass diese tatsächlich freiberuflich tätig sind und nicht rechtlich zu den abhängig Beschäftigten zählen. Ansonsten würde man von "Scheinselbständigkeit" sprechen.
Anhaltspunkte für eine abhängige Beschäftigung sind eine Tätigkeit nach Weisungen und eine Eingliederung in die Arbeitsorganisation des Weisungsgebers.
Weiter könnte Scheinselbständigkeit z.B. vorliegen, wenn der "Selbstständige" außer Familienangehörigen keine versicherungspflichtigen Arbeitnehmer beschäftigt, in der Regel und im wesentlichen nur für einen Auftraggeber tätig ist und nicht unternehmerisch am Markt auftritt.
Liegt Scheinselbständigkeit vor, gelten für den Scheinselbstständigen alle Rechte und Pflichten eines Beschäftigungsverhältnisses, insbesondere die Versicherungspflicht in allen Zweigen der Sozialversicherung. Rechtsgrundlage ist § 7 SGB IV.

Bei dem zweiten Modell, dem so genannten Dienstleistungsmodell, verwendet der Assistenznutzer das bewilligte Budget, um sich die Assistenz als Dienstleistung einzukaufen. Für Gehörlose bedeutet dies i.d.R., dass die Organisation der Dolmetschereinsätze an eine Dolmetschervermittlungszentrale abgegeben wird.


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